Chronik

Familienbetrieb Günter Kappel und Sohn GbR

gegründet 1948 durch Paul und Herta Kappel

Schwarz-weiß Portrait Herta und Paul Kappel

Herta und Paul Kappel kurz nach der Flucht in Schleswig-Holstein

Die Begründer des heutigen Familienbetriebes Günter Kappel und Sohn GbR, sind Paul und Herta Kappel. Beide stammen sie aus der Landwirtschaft, sind auf den elterlichen Betrieben aufgewachsen und dort in dem Umgang mit Ackerbau und Viehzucht ausgebildet worden. Paul Kappel wurde am 12. Juli 1918 in Bessarabien geboren, seine spätere Frau, die unter dem Namen Herta Wiese am 31. März 1926 geboren wurde, stammt aus dem Kreis Bromberg in Westpreußen.

Schwarz-Weiß Portrait Herta, Paul, Manfred und Günter Kappel

Herta und Paul Kappel mit Günter (links) und Manfred 1947

Die Wirren des zweiten Weltkrieges führten dazu, dass die Familie Kappel 1940 nach Westpreußen zwangsausgesiedelt wurde, wo Paul Kappel bis zum Ende des Krieges als Soldat diente. In dieser Zeit lernte er auch Herta Wiese kennen, mit der er 1945 nach Schleswig-Holstein flüchtete. Dort verweilte das Paar drei Monate, bis es in den Landkreis Verden nach Lehringen zog. Inzwischen hatte sich Nachwuchs angekündigt und Paul und Herta Kappel heirateten am 14. April 1945. Zwei Monate später, am 22. Juni 1945 wurde ihr erster Sohn Manfred geboren. Ein Jahr später, am 30. September 1946 folgte Günter. Durch seine landwirtschaftliche Vorbildung gelang es Paul Kappel, sich als Gärtner selbständig zu machen. Er baute vorwiegend Gemüse und Tabak an. Gerade der Tabakanbau, der in dieser Gegend nicht sonderlich verbreitet war, verschaffte ihm weitreichende Beziehungen. Als 1948 im Landkreis Verden die Gutsverwaltung Westen aufgelöst wurde, sollten sich diese dann auch bezahlt machen.

Schwarz-Weiß Foto der Baracke

Die Baracke

Paul Kappel mit seinem Schifferklavier

Paul Kappel mit seinem Schifferklavier

Geplant war, insgesamt zwölf Hektar Land zur Förderung an vier Gärtner abzugeben. Paul Kappel, gut bekannt mit einigen Verantwortlichen der zuständigen Siedlungsgesellschaft Hannover, bewarb sich um eine dieser Gärtnerstellen und bekam den Zuschlag. Der Grund und Boden, welchen die junge Familie nun ihr Eigen nennen durfte, hatte eine Fläche von drei Hektar. Er enthielt jedoch weder Gebäude noch Inventar, es handelte sich schlicht um ein freies Feld. So kurz nach dem Krieg, hatten Paul und Herta Kappel zwar noch kein Geld, um sich ein Haus leisten zu können, doch ein auf der Flucht in Sachsen erstandenes Schifferklavier genügte dem aus Lehringen bekannten Zimmermann als Bezahlung für den Bau einer kleinen Holzbaracke.

Am 31.März 1948, Herta Kappel hatte an diesem Tage Geburtstag, bezog die Familie Kappel das drei Hektar große Grundstück, zwei Kilometer außerhalb des Ortskerns von Westen. Aus der kleinen Enttäuschung, von ihrem Mann kein Geburtstagsgeschenk zu bekommen, entstand doch eine Freude als Paul Kappel ihr mitteilte, dass sie nun nach den harten vergangenen Jahren, den Schlüssel zu einem eigenen Heim in Händen hielt. Zwischenzeitlich waren auch die Eltem, sowohl von Paul als auch von Herta, nach Westen gezogen. Die Kraft der beiden Familien konzentrierte sich von da an auf den Aufbau des landwirtschaftlichen Betriebes Paul Kappel.

Schwarz-Weiß Foto des Hofes, datiert wahrscheinlich 50er Jahre

Hof Kappel – Ende der 50er Jahre

Die Währungsreform von 1948, als Teil des “Marshall-Plans“, beendete durch eine Abwertung der Reichsmark, die durch die nationalsozialistische Kriegswirtschaft entstandene Inflation. Zudem hatten sich die Alliierten zum Ziel gesetzt, besonders die Landwirtschaft, gemäß des am 26. März 1946 in Potsdam beschlossenen ”Industrie-Plans”, finanziell zu unterstützen, zu fördern und auszubauen. Ideale Voraussetzungen also, um sich in der Landwirtschaft selbständig zu machen. Zunächst hielten sich die Familien durch den Verkauf von selbst angebauten Gemüse über Wasser. Doch bald hatten sie genügend Kapital zusammengespart, um sich ein richtiges Haus zu bauen.

Das war 1949 und bereits ein Jahr später konnte Paul Kappel mit seiner gesamten Familie in das neue Haus einziehen. Die Eltern von Herta Kappel wohnten nicht weit entfemt auf einem benachbarten Grundstück. Am 28. November 1952 bekamen Paul und Herta Kappel ihren dritten Sohn Gerhard, womit die Familie Kappel komplett war. Nun galt es, den entstehenden Hof für die nachfolgende Generation zu vergrößern. Bereits Anfang der 50er Jahre stellte sich aber heraus, dass die vorhandene Mischung aus Sand- und Allermarschboden nicht für den ausschließlichen Anbau von Gemüse geeignet war. Zur gleichen Zeit bot die Siedlungsgesellschaft Hannover dem jungen Ehepaar Kappel die Möglichkeit, Land zu kaufen und zu pachten.

Dieses Pferd wurde später gegen den ersten Deutz eingetauscht.

Tauschpferd

Da sich die Gemüsewirtschaft auf Dauer nicht gelohnt hätte und Paul und Herta sich in Zukunft auf den Ackerbau und die Viehzucht spezialisieren wollten, vergrößerten sie ihren Betrieb innerhalb von wenigen Jahren auf 15 Hektar Eigenland. Hinzu kam die Anschaffung von Großvieh, darunter einige Kühe, Pferde und Schweine. So schwer der Aufbau des Hofes auch war, so groß war auch der Erfolg, den Paul und Herta Kappel aufgrund ihrer Ausdauer, Sparsamkeit und harten Arbeit verzeichneten.

Schwarz-Weiß Foto des Hofes

Sechziger Jahre

Der erste Traktor

Der erste Traktor

1955 konnte der erste Traktor gekauft werden, ein Deutz, 15 PS. Dafür musste das Ehepaar eines ihrer beiden Pferde in Zahlung geben. 1959 folgte ein weiterer Deutz von 25 PS, der erste wurde 1960 wieder verkauft. 1961 leisteten sich Paul und Herta Kappel einen Mähdrescher mit Sackabfüllung, der erste Mähdrescher in ganz Westen. Kurze Zeit später wurde dazu noch eine Strohpresse angeschafft.

Auf dem Hof - August 1963

Besuch auf dem Hof – August 1963

Mittlerweile stellte sich die Frage, wer von den drei Söhnen den Hof übernehmen sollte. Obwohl alle drei ihrem Alter entsprechend in den Betrieb involviert waren, entdeckte der älteste Sohn sein Talent für den kaufmännischen Beruf, so dass der mittlere Sohn Günter die Möglichkeit bekam, sich auf die Hofweiterführung vorzubereiten. Nach der schulischen Ausbildung begann er deshalb eine Lehre zum Landwirt. Während er das erste Jahr seiner Lehre auf dem elterlichen Betrieb absolvierte, ging Günter Kappel für das zweite Jahr 1962/63 auf einen ähnlichen Betrieb in den Landkreis Rothenburg. Zur gleichen Zeit entschlossen sich Paul und Herta Kappel, ihren Hof weiter zu vergrößern. Sie kauften acht Hektar Land bei der Siedlungsgesellschaft Hannover und erweiterten ihren Besitz damit auf mittlerweile 23 Hektar Eigenland inklusive 1,2 Hektar Hoffläche.

Undatiertes Foto, wahrscheinlich Anfang der 60er Jahre

Undatiertes Foto, wahrscheinlich Anfang der 60er Jahre

Günter - Bassist der New Timers

Günter – Bassist der New Timers

Nun war es an der Zeit das Wohnhaus von den Nutzgebäuden zu trennen, die bis dato an das Haus angegliedert waren. So wurde Mitte der 60er Jahre der erste alleinstehende Schuppen gebaut, worauf zahlreiche Gebäude folgten. Unter anderem 1977 eine große Getreide- und Maschinenhalle, die 1986/87 zu einem Vormaststall umgebaut wurde. Günter Kappel, der den Hof in naher Zukunft übernehmen sollte und daher auch auf dem Betrieb seiner Eltern arbeitete, verdiente sich sein Taschengeld nebenbei durch zahlreiche Auftritte mit seiner Band “The New Timers“(zur Galerie “The New Timers”). Das Geld, welches er auf dem Hof erwirtschaftete, floss dagegen ausschließlich in die Expansion des Betriebes.

Hof Kappel - Luftaufnahme aus dem Jahr 1974

Hof Kappel – Luftaufnahme aus dem Jahr 1974

1972 heiratete Günter Kappel. Seine Angetraute Elisabeth, geborene Rengstorf, kam ebenfalls aus landwirtschaftlichem Hause, hatte einen Abschluss als Hauswirtschaftlerin auf der Landfrauenschule in Hildesheim erworben. Schnell gründete das Paar eine Familie. Der zukünftige Hoferbe stand fest, noch bevor sein Vater den elterlichen Betrieb übernommen hatte. Michael Kappel wurde am 02. Oktober 1972 geboren, seine beiden Schwestern Birgit und Maren folgten am 18. August 1975 und am 03. Mai 1978. Mittlerweile hatten sich Paul und Herta Kappel auf die Schweinehaltung spezialisiert. Die Haltung von Kühen und Hühnern diente dagegen, bis auf den Verkauf von Eiern, eher der Selbstversorgung. Daher entschlossen sie sich 1978 einen Maststall zu bauen, nachdem sie bereits 1973 das alte Haus ihrem Sohn und dessen Familie überlassen hatten und selbst in ein neues, daneben gelegenes gezogen waren. Als es am ersten Januar 1982 zur Pachtübernahme durch ihren Sohn Günter kam, hatten Paul und Herta Kappel bereits 63 Sauen‚ 464 Mastschweine, 198 Ferkel, 2 Eber und 50 Hektar Land zur weiteren Bewirtschaftung erarbeitet. Auch Günter und seine Frau Elisabeth wollten es seinen Eltern gleich tun und setzten auf die Erweiterung ihres Hofes. Am 16. Juni 1983 feierten sie Richtfest der neuen Kornhalle. Doch noch in der selben Nacht kam es zu einem herben Rückschlag.

Der niedergebrannte Abferkelstall

Abgebrannter Abferkelstall

Der Abferkelstall direkt gegenüber des Wohnhauses stand lichterloh in Flammen, Brandstiftung, alle 395 Tiere starben (Zur Galerie “Brand des Abferkelstalls”). Zwar konnte das Gebäude noch im selben Jahr wiederaufgebaut und aufgestallt werden, doch ein weiterer Schicksalsschlag bedrohte die Existenz des landwirtschaftlichen Familienbetriebes. 1984 trat im Tierbestand die Schnüffelkrankheit auf, die Ställe mussten daraufhin vollständig geräumt werden. Doch Günter Kappel und seine Frau nutzten die Gelegenheit, um sich dem Bundeshybridzuchtprogramm (BHZP) anzuschließen und den Hof Kappel zu einem Schweinezucht  -Vermehrungsbetrieb völlig neu umzustrukturieren. Zwischenzeitlich wurde die Mitgliedschaft zur BHZP beendet. Heute gehört der Hof zu dem Zuchtunternehmen Hypor. Bis heute erweiterten sie jährlich ihren Tierbestand. Mittlerweile  werden 180 Sauen und insgesamt 1500 Tiere gehalten.

Es wird heute nur noch für den Eigenbedarf gezüchtet, dazu kommen rund 123 Hektar zu bewirtschaftendes Ackerland. 1983/84 begann der Einstieg in den Kartoffelanbau mit 2,5 Hektar Fläche. Bis zum heutigen Datum wurde die Anbaufläche auf ca. 35 Hektar erweitert. Produziert werden Industriekartoffel für die Emsland Group. Einen wesentlichen Fortschritt erlangten Günter und Elisabeth Kappel 1987 durch den Zukauf von 2312 Quadratmetern Land zur Hoffläche. Nun bestand die Möglichkeit, mit den immer größer werdenden Maschinen rund um den gesamten Gebäudekomplex zu fahren. Außerdem konnten Futtersilos neben den Maststall gesetzt werden, der vorher genau an der Hofgrenze gestanden hatte.

1991 entschlossen sich Günter und Michael Kappel in Absprache mit den Hofgründern Paul und Herta Kappel zur Bildung einer GbR. Seitdem besteht der Name des landwirtschaftlichen Familienbetriebes Günter Kappel und Sohn GbR. Während seine Schwestern Birgit und Maren in den vergangenen Jahren mit der Berufsfindung außerhalb des elterlichen Betriebes beschäftigt waren‚ spezialisierte sich Michael Kappel auf die Landwirtschaft. Nach Beendigung seiner allgemeinen Schullaufbahn begann er 1990 mit einer Ausbildung zum Landwirt. Ebenso wie sein Vater verbrachte er das erste Jahr auf dem heimischen Betrieb, das zweite Lehrjahr absolvierte er dagegen auf einem Hof im Landkreis Hannover.

Farbfoto der 1998 erbauten Halle

Getreide und Maschinenhalle, erbaut 1998

Luftbild des Hofes, undatiert

Luftbild des Hofes, undatiert

Da die Weiterführung des Hofes somit auch auch in der nächsten Generation gesichert war, wurden abermals Vergrößerungen vorgenommen. Neben einigen Neupachtungen und diversen Maschinenkäufen ergab sich 1992 die Gelegenheit außerhalb der Hofgrenzen in Hämelhausen eine 15*12 Meter große Gerätehalle plus 763 Quadratmeter Grundfläche zu mieten, die 1994 gekauft werden konnte. Eine erneute Erweiterung der Hofgrenzen erzielten Günter und Michael Kappel Anfang 1997 durch den Kauf von 2,5 Hektar Land, welches direkt neben dem bereits vorhandenen Grundstück gelegen ist.

Farbfoto von Günter und Michael Kappel 1998

Günter und Michael Kappel 1998

Hier wurde eine weitere Getreide- und Maschinenhalle errichtet, deren Maße 54*25 Meter beträgt (Zur Galerie “Bau der Halle”). Durch die daraus resultierende Auslagerung der Maschinen auf das benachbarte Grundstück bewirkt eine Trennung von Land- und Viehwirtschaft.

Direkt im Anschluss an seine Lehre ging Michael Kappel für das erste Fachjahr an die höhere Landwirtschaftsschule in Nienburg, worauf mit der Beendigung des zweiten Fachjahres im Sommer 1997 der Abschluss zum staatlich geprüften Landwirtschaftsleiter folgte. Seit dem Jahr 1998 werden auf dem Hof Kappel angehende Landwirte ausgebildet. Bisher waren es 17 Auszubildende.

1999 wurde ein Maststall in Eitzendorf dazu gepachtet. Hier sind 410 Schweine aufgestallt.

Nach seinem schweren Schlaganfall im Jahre 2002, von dessen Folgen er sich nicht vollständig erholen kann, stirbt der Hofgründer Paul Kappel am Pfingstfreitag, den 28.Mai 2004.

Der Nachbarhof von Alfred Götz wurde im Sommer 2003 überschrieben. Alfred Götz erhielt gleichzeitig ein lebenslanges Wohnrecht auf seinem Hof. Nach seinem Tod im Winter 2004 geht der Hof mit den dazu gehörigen 9 Hektar Land in den Besitz von Günter Kappel über. Die Ländereien werden von dem Hof Kappel bewirtschaftet, die Gebäude werden zum Teil selbst genutzt, das Wohnhaus ist vermietet.

Am 3. Dezember 2005 verunglückt Elisabeth Kappel bei einem schweren Autounfall tödlich. Dieser Schicksalsschlag ist für den Hof Kappel ein tiefer Einschnitt, sowohl persönlicher Art, aber auch im alltäglichen Betriebsablauf.

In den vergangenen Jahren konnte ein Resthof im Landkreis Nienburg mit elf Hektar Land erworben werden. Bis heute (2013) kann der Hof Kappel auf eine 65-jährige Geschichte zurück blicken.

Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb die Hofgründerin Herta Kappel am 02. Dezember 2013.